Unsere bunte Vogelwelt
  Die Vogelhochzeit
 
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Das Vogelpaar

Sind alle Auflagen der Zuchtgenehmigung erfüllt und wurde diese schriftlich ausgehändigt, kann die Zucht beginnen. Für uns ist es wichtig, dass wir die Paare nicht nach unserem Willen zur Brut ansetzen, sondern dass sich die Tiere im Schwarm selber finden, schließlich möchten wir auch nicht einfach unseren Lebenspartner vor die Nase gesetzt bekommen.


Hat sich ein Paar gefunden und hat sich die Beziehung gefestigt, werden der Hahn und seine Henne seperat untergebracht, damit sie nun in Ruhe ihre Brutzeit beginnen können. In dieser Unterkunft befindet sich natürlich auch der Nistkasten. Am Anfang wird er meist noch aus der Ferne von den beiden beobachtet, aber die Neugierde wächst von Tag zu Tag, das Weibchen wagt jetzt auch schon mal einen Blick in das Innere und schlüpft meist kurze Zeit später auch schon hinein und hält sich darin immer länger auf. Bei manchen Arten (z. B. beim Ziegensittich) sucht der Hahn die Nisthöhle aus.


Als erstes kommt die Balz. Dort versucht der Hahn durch besonders auffallendes Verhalten seine Henne zu beeindrucken. Manch einer tänzeld aufgeregt vor seinem Weibchen auf und ab, andere wagen besonders mutige Kunststücke, das Männchen versucht öfter, auf den Schwanz des Weibchens zu treten und alle tragen sie ihre volle Schönheit zur Schau, um das Weibchen voll und ganz für sich zu gewinnen. Auch werden Gegenstände eingesetzt um zu imponieren, zum Beispiel wird hektisch am Glöckchen rumgerissen.


Willigt das Weibchen ein, wird erst einmal aufgeregt geschnäbelt, die Pupillen verkleinern sich deutlich und die Männchen versuchen langsam, ihre Angebetete zu "besteigen", erst mit einem Füßchen auf den Rücken der Lady und dann folgt wiederrum nach Einwilligung der Dame auch das zweite Beinchen und der Liebesakt kann beginnen. Diese Prozedur kann unterschiedlich lange dauern, es hängt von den Tieren ab, der Umgebung und anderen Faktoren.


Ist das Weibchen nun voll und ganz bereit zur Paarung, sitzt es fast waagerecht auf einem Ast, legt den Kopf weit zurück, hebt den Schwanz in die Höhe und bleibt in dieser Position. Manche (z. B. Ziegensittich-Weibchen) geben Geräusche von sich (dann hört man bei uns im Vogelzimmer immer, wenn das Weibchen "heiß" ist *g*). Das Männchen versteht das Signal natürlich sofort, er ist ja schließlich ein wahrer Kerl und steigt auf den Rücken des Weibchens, um es zu begatten. Dabei hält er sich mit dem Schnabel am Kopfgefieder des Weibchens fest, legt einen oder beide Flügel um es und presst seine Kloake im schwierigen Gleichgewichtsakt auf die des Weibchens, wobei die männlichen Samen in den Eileiter gelangen. Der Begattungsakt wird bei Züchtern auch oft "Treten" genannt. Ist die Paarung vorüber, schütteln beide ihr Gefieder. Das Weibchen fliegt davon, dass Männchen beginnt sich zu putzen. Das Liebesspiel wird später mehrmals wiederholt.


Wie ein Ei entsteht

Der Samen des Männchens schwimmt zum oberen Ende des Eileters, wo er meist auf die Eizelle trifft und sie befruchtet. Danach wandert das Ei langsam den Eileiter hinunter und wird ins Nest gelegt. Doch was passiert auf dem Weg durch den Eileiter mit der befruchteten Eizelle?

Noch im Eierstock lagert sich an der Eizelle unter dem Einfluss zweier Hormone Dotter an. Nach der Befruchtung wandert die dotterreiche Eizelle vom Eierstock in den erweiterten Kopf des Eileiters, das Infundibulum, und dann weiter den Eileiter entlang. An verschiedenen Stationen wird ihr immer wieder eine andere Hülle umgelegt, bis das fertige Ei entstanden ist.


Im Hauptteil des Eileiters, dem Magnum, bekommt die Eizelle innerhalb von 2 bis 3 Stunden von dessen Wänden Schichten von Eiweiß (Eiklar) hinzugefügt. Dann gelangt die Eizelle in den sogenannten Isthmus des Eileiters (Eileiterenge), wo sie innerhalb von gut einer Stunde von weiterem Eiklar und der zweischichtigen Schalenhaut umgeben wird. An den Isthmus schließt sich der Uterus (Kalkkammer oder Schalendrüse) an. Hier dringt durch die Schalenhäute Wasser in das Ei, wodurch das Eiweiß quillt und das Ei sein Gewicht fast verdoppelt. Außerdem legt sich die Kalkschale über das Ei. Bei Vogelarten, die gefärbte Eier legen (z. B. Zwergwachteln und Zebrafinken), findet hier die Einlagerung der Farbstoffe statt. Die Schalenbildung dauert rund 20 Stunden. Die harte Kalkschale verhindert, dass Keime in das Ei eindringen können, lässt aber über Poren trotzdem Gasaustausch für die Atmung des Embryos zu. In der anschließenden Vagina bekommt das Ei seinen letzten Überzug, die glänzende Schalenoberhaut. Danach wird es durch Kontraktionen der Vagina ausgepresst.


Das Legen eines Eies ist für das Weibchen unheimlich anstrengend. Nun ist das erste Ei gelegt. Manche Weibchen sitzen vom ersten Tag an auf den Eiern, andere brüten erst ab dem 2. oder 3. Ei.

Ab dem 6. bis 9. Bruttag lässt sich feststellen, ob die Eier befruchtet sind. Am besten zieht man dabei dünne Handschuhe an und hält die Eier gegen eine hell strahlende Taschenlampe oder man holt sich einen Eier-Durchleuchter, dann kann man die Eier auch im Nistkasten liegen lassen und sie von oben mit dem Leuchter anblenden.


Befruchtete Eier zeigen deutlich den dunklen Brutkern und sind von feinen hellroten Äderchen durchzogen. Unbefruchtete Eier sind klar und durchsichtig. Am besten lässt man alle Eier im Nistkasten, um das Weibchen nicht zu irritieren. Wir lassen die unbefruchteten Eier solange drin, bis die Jungen ungefähr 3 Wochen alt sind, denn sie tragen dazu bei, dass die Jungen nicht von der Henne erdrückt werden.

 
Nun wird insgesamt zwischen 18 und 28 Tage gebrütet, je nach Vogelart, bis das erste Küken schlüpt.



 
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